Karabed, Ibrahim
| Geburtsjahr: | 1975 |
| Glaubensbekenntnis: | römisch-katholisch |
| Besonderes: | Pilgern in mittelalterlicher Kleidung |
Mein Name ist Ibrahim Karabed. Ich stehe am Ende meines Studiums an der Otto-Friedrich Universität Bamberg, wo ich Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Magisterstudiengang studiere. Davor absolvierte ich eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter und holte mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach.
Schon mehrmals spielte ich mit dem Gedanken, nach Santiago di Compostela zu pilgern, doch fehlte mir bisher der endgültige Anstoß, mich auf den Weg zu machen, zumal es mir aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht möglich ist, die Pilgerfahrt an einem Stück zu bestreiten. Daher schloss ich mich nur allzu gerne meinem Freund Dr. Robert Adunka an, sobald ich von seinem Vorhaben erfuhr in Etappen nach Santiago zu pilgern.
Nun kann man die Frage stellen, was einen Menschen dazu bewegt sich in der Heutigen Zeit zu Fuß in mittelalterlicher Ausrüstung auf den Weg nach Santiago zu begeben. Zum einen bin ich gläubiger Christ und finde in dieser besinnlichen Form des Wanderns eine Möglichkeit, meine Gedanken zu ordnen und mich mit meinen Glauben auseinander zu setzen. Zum zweiten machte ich in früheren Wanderungen die Erfahrung, dass sich die Natur und die Jahreszeiten zu Fuß, soweit als möglich abseits von Straßen, ganz anders erfahren lässt, selbst im dicht besiedelten Mitteleuropa.
Schließlich habe ich auch ein gewisses fachliches Interesse, meine Pilgerfahrt gerade in dieser Form zu bestreiten. Ich selbst bin ein großer Fürsprecher der experimentellen Archäologie und möchte während der einzelnen Etappen im Selbstversuch die Praktikabilität und Strapazierfähigkeit von spätmittelalterlicher Bekleidung und Ausrüstung im allgemeinen testen, die nach dem heutigen archäologischen Forschungsstand angefertigt wurde.
Mir ist selbstverständlich klar, dass die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse nur bis zu einem gewissen Grad verwendbar sind, da sowohl die Wege als auch die körperlichen Voraussetzungen der Menschen damals andere waren. Jedoch lassen sich so sehr gut die Eigenschaften verschiedener Materialien sowie Verarbeitungstechniken von Stoff und Leder überprüfen.
Mittels solcher und anderer experimentalarchäologischer Versuche können alte Annahmen bestätigt oder verworfen und neue Theorien aufgestellt werden. Die so gewonnenen Erkenntnisse mögen dem Archäologen die Interpretation von den im Boden meist nur in Fragmenten erhaltenen Alltagsgegenständen erleichtern und dem Wissenschaftler helfen ein klareres Bild der Alltagskulturen der Vergangenheit zu zeichnen.
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